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Was ist Spielleitplanung?

Aktionsprogramm „Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz“

Im Rahmen der Aktion „Kinderfreundliches Rheinland-Pfalz – Politik für und mit Kindern“ wird in Rheinland-Pfalz mit dem Instrument der Spielleitplanung seit 2004 ein neuer Weg beschritten: Hauptaugenmerk liegt auf der kinder- und jugendfreundlichen Gesamtentwicklung von Kommunen.

Spielleitplanung basiert auf der Kooperation von Verbänden und Vereinen, engagierten Bürgerinnen und Bürgern, öffentlichen Einrichtungen wie Schulen und Kindergärten, Einrichtungen der Kinder- und Jugendarbeit sowie Agenda 21- Gruppen.

Bis im Jahr 2004 wurde das neue Instrument in sieben Modellgemeinden erprobt und erfolgreich durchgeführt. Rund 50 Städte und Gemeinden haben die Spielleitplanung danach erfolgreich durchgeführt oder führen Spielleitplanung zurzeit durch.

 

Was brauchen Kinder und Jugendliche wirklich?

Während Kinder und Jugendliche früher in der gesamten Stadt bzw. Gemeinde spielen konnten, findet heutzutage das Kinderspiel zum großen Teil auf Spielplätzen, auf speziell für Kinder reservierten Flächen statt. Kinder und Jugendliche brauchen aber anregungsreiche Spielräume für freies Spiel und damit sind nicht einfach nur Spielplätze gemeint, sondern alle Flächen wie zum Beispiel Brachen, Grünflächen, Plätze, Straßen.

Die Realität sieht so aus, dass der Verkehr dramatisch zugenommen hat, gleichermaßen die in der Gemeinde für Kinder und Jugendliche zur Verfügung stehenden Frei- und Aufenthaltsflächen rapide abnehmen. Die veränderten Lebensbedingungen von Kindern werden zunehmend von Fernseher und Computer bestimmt. In der Folge halten sich Kinder und Jugendliche immer seltener im Freien auf, was wiederum zu immer stärkeren Defiziten bei deren körperlicher, geistiger und seelischer Entwicklung führt.

Mit der Bereitstellung von Schulhöfen, Bolzplätzen und Spielplätzen allein ist es nicht getan. Es geht um die ganzheitliche Entwicklung einer Kommune, in der sich die heranwachsenden Generationen wohl fühlen und im besten Fall wieder ihre Familien gründen.

 

Was genau ist eigentlich Spielleitplanung?

Spielleitplanung richtet den Blick auf die gesamte Gemeinde oder Stadt als Spiel-, Erfahrungs- und Erlebnisraum für Kinder und Jugendliche. Ein zentraler Bestandteil ist die Beteiligung von Kindern und Jugendlichen bei allen Planungs-, Entscheidungs- und Umsetzungsschritten in der Kommune.

Die Belange von Kindern und Jugendlichen werden mit den klassischen Planungsinstrumenten wie z. B. der Bauleitplanung oder der Verkehrsplanung verknüpft. Es ist ein Instrument zur Sicherung und Verbesserung des Lebens- und Wohnumfeldes insbesondere von Kindern und Jugendlichen, wertet aber natürlich auch für alle anderen Bevölkerungsgruppen ihr Lebensumfeld auf. Spielleitplanung ist zudem ein Instrument zur vorausschauenden Sicherung und Weiterentwicklung von kommunalen Freiflächen.

  

Was wird bei der Spielleitplanung gemacht?

Zunächst ist ein Ratsbeschluss zur Durchführung der Spielleitplanung in der Stadt oder Gemeinde erforderlich. Ein Hauptverantwortlicher wird benannt, der in erster Linie mit der Spielleitplanung in der Kommune identifiziert wird.

Um die Förderung vom Land für die Spielleitplanung zu erhalten, ist die Beauftragung eines ausgebildeten Planers sowie einer pädagogischen Begleitung erforderlich. Sind diese ersten Schritte erfolgt, wird im Ort eine Informationsveranstaltung durchgeführt, welche allen Bürgern offen steht und die Bildung einer Arbeitsgruppe  zum Ergebnis hat.

Spielleitplanung geht systematisch vor und zwar in den bekannten Planungsphasen Bestandserhebung, Bestandsanalyse und Potenzialbestimmung sowie Entwicklung von Maßnahmen. Die Besonderheit ist die Beteiligung der Kinder und Jugendlichen, welche bei so genannten Streifzügen die Bestandserhebung begleiten. Die Ergebnisse der Streifzüge sind natürlich sehr aufschlussreich, da keiner die örtlichen Begebenheiten so gut kennt, natürlich auch deren Defizite, wie die Kinder und Jugendlichen selbst.

Die Erhebungen geben Aufschluss über die vorhandenen Freiflächen und die Nutzungsmöglichkeiten als Erlebnis- und Aufenthaltsbereiche. Erhebungen zur Situation des ruhenden und fließenden Verkehrs ergeben beispielsweise Aussagen zu Gefahrenpunkten für Fußgänger (Schulweg, Treppen ohne Geländer, Stolperfallen).

Ergebnis der Bestandsanalyse ist der Spielleitplan sowie seine textlichen Erläuterungen und der Maßnahmenkatalog, worin die Projekte nach ihrer Umsetzungspriorität gegliedert sind. Wichtig ist der Beschluss des Spielleitplanes im Gemeinderat.

Die Gemeinde dokumentiert damit ihre Absicht den Spielleitplan bei der künftigen Entwicklung der Gemeinde, sofern Kinder und Jugendliche tangiert werden, in der Abwägung zu berücksichtigen.